Sein oder Nichtsein in der Augenoptik, MARTIN LEHMANN?

// 16. April 2018 More

„To be or not to be!“ ist – im englischen Original – die vermutlich meistzitierte Frage aus Shakespeares Drama „Hamlet, Prinz von Dänemark“, und auch eine der größten philosophischen Fragen der Menschheit. Es ist die Seins- und Bewusstseinsfrage, mit der Hamlet seinen Monolog in der ersten Szene des dritten Aufzugs beginnt. In einer Tragödie über Todessehnsucht und Weltschmerz, über Angst vor dem Tod und die Scheu vor entschlossenem Handeln. Über die innere Zerrissenheit einer Existenz, deren emotionale Tragik mit philosophischem Tiefgang dargestellt wird. „Sein oder Nichtsein?“

So dramatisch geht es in der Augenoptik, Gott sei Dank, nicht zu! Hamlet dient uns vielmehr als bildhafter Ausdruck, als Metapher, um Problematiken anzusprechen, Fragen zu stellen, Potenziale weiterzudenken und Menschen, die in dieser Branche arbeiten, die sie prägen, Stimme und Raum für Gedanken und Reflexionen zu geben.

Das haben wir getan und schickten ein Themenbriefing an unsere Interviewpartner, Vertreter aus Verbänden, Fachhandel und Industrie / Hersteller. Die Flut ihrer Gedanken hat uns ein wenig überrascht. In der Printausgabe konnten wir nur einen Teil dieser umfangreichen und gehaltvollen Reflexionen wiedergeben. Lesen Sie die Antworten darum hier in vollem Umfang.

Im Interview

Martin Lehmann (Foto: Martin + Martin)

MARTIN LEHMANN
Geschäftsführer von Martin + Martin

Welche zukunftsweisenden Entwicklungen sehen Sie aufseiten der Hersteller? Welche Anforderungen und Bedürfnisse aufseiten des augenoptischen Fachhandels?

Die Augenoptik hat im Vergleich zu anderen Branchen das große Glück, dass der Verkauf nur durch den Handwerksanteil der Verglasung gut gelingt. Das Nadelöhr des Brillenkaufs und somit die derzeitige und sicherlich auch zukünftige Daseinsberechtigung des Optikers. Gleichzeitig erlaubt die fortschreitende Vernetzung und zielgenaue Kommunikation durch die sozialen Medien Optikern aber auch Herstellern eine direktere Verbindung mit den Konsumenten herzustellen. Das eröffnet bisher ungeahnte Möglichkeiten, insbesondere wenn man gemeinsame Plattformen entwickelt, also Optiker und Hersteller. Da sehe ich viel Entwicklungspotenzial und noch wenige Ideen im Ansatz! Wer dazu Ideen hat, möge sich gerne melden zwecks Gründung eines Thinktanks!

„Das Verschmelzen von Hersteller und Optiker wie im Falle von z.B. Viu und Ace & Tate erzeugt Verunsicherung“

Wo sehen Sie für die augenoptische Branche derzeit die größten Verunsicherungen – oder positiv gedacht, die größten Herausforderungen?

Das Verschmelzen von Hersteller und Optiker wie im Falle von z.B. Viu und Ace & Tate erzeugt Verunsicherung. Aber so neu ist das Konzept nicht, es erzeugt nur wieder einen „Hype“, dem viele scheinbar hinterherlaufen. Warum? Weil es den Zeitgeist trifft und gut gemacht ist. Aber was meiner Meinung nach dahinter steckt, ist die Angst den Anschluss zu verpassen. Denn keiner verliert gerne. Es knarzt im Gebälk und trotzdem waren die Umsatzzahlen für die meisten von uns gut. Die Zahl der Konsumenten wächst nicht, daher ist stabiler Umsatz angemessen und sollte keine Angst auslösen. Das könnte mehr Raum für eigene neue Ideen schaffen.

Vielen Dank für das Interview, Herr Lehmann.

(Angela Mrositzki & Sandy Hedig)16

Category: Branche + Ideen, OV

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