Sein oder Nichtsein: Über Identitäten, Verunsicherungen und das Wesen der Augenoptik

// 19. April 2018 More

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Als wir im vergangenen Herbst den OPTIC+VISION Redaktionsplan 2018 erstellten und das Schwerpunktthema zu dieser Edition besprachen, drehten sich viele Diskussionen in der Redaktion um das Spannungsverhältnis und Kontinuum von Status Quo und Zukunft der Augenoptik. Um Makro- und Mikroszenarien in Branche und Markt. Gedanken-Mäander, in denen man sich schnell verliert. Starke Leitsätze und Bilder dienen da der Orientierung. Wir wählten Hamlet!

„To be or not to be!“ ist – im englischen Original – die vermutlich meistzitierte Frage aus Shakespeares Drama „Hamlet, Prinz von Dänemark“, und auch eine der größten philosophischen Fragen der Menschheit. Es ist die Seins- und Bewusstseinsfrage, mit der Hamlet seinen Monolog in der ersten Szene des dritten Aufzugs beginnt. In einer Tragödie über Todessehnsucht und Weltschmerz, über Angst vor dem Tod und die Scheu vor entschlossenem Handeln. Über die innere Zerrissenheit einer Existenz, deren emotionale Tragik mit philosophischem Tiefgang dargestellt wird. „Sein oder Nichtsein?“

So dramatisch geht es in der Augenoptik, Gott sei Dank, nicht zu! Hamlet dient uns vielmehr als bildhafter Ausdruck, als Metapher, um Problematiken anzusprechen, Fragen zu stellen, Potenziale weiterzudenken und Menschen, die in dieser Branche arbeiten, die sie prägen, Stimme und Raum für Gedanken und Reflexionen zu geben. Im Laufe eines Lebens müssen oftmals Entscheidungen von existenzieller Bedeutung getroffen werden, privat wie beruflich. Und wohl jeden Einzelnen bewegt irgendwann einmal Hamlets berühmte Frage – der Grad der Dramatik wird individuell anders sein. Gerade wenn die Welt in einem grundlegenden Umbruch ist, wenn Verunsicherung sich zunehmend ihren Weg bahnt, bleibt die Frage „Sein oder Nichtsein“ von zwingender Aktualität. Persönlich. Politisch. Gesellschaftlich. Generationsübergreifend.

Hamlet dient uns als Metapher, um Potenziale weiterzudenken und Menschen, die diese Branche prägen, Raum für Reflexionen zu geben

Auch die Augenoptik ist nicht immun gegen Verunsicherungen. Technologischer Fortschritt, die Herausforderungen der Digitalisierung, wirtschaftlicher Druck, die Arbeitsmarktsituation – jeder Wandel wirft existenzielle Fragen auf. Eindeutige Antworten hat niemand. Darüber sind sich wohl alle einig.

Wichtig bleibt, die Kompassnadel neu auszurichten. Das haben wir getan und schickten ein Themenbriefing und teils individuell zugeschnittene Fragen an unsere Interviewpartner, Vertreter aus Verbänden, Fachhandel und Industrie / Hersteller. Auf der Suche nach Antworten zu den Identitäten, die das Selbstverständnis von Individuen, Gruppen und eben auch Berufsständen wie der Augenoptik bestimmen. Antworten zu Verunsicherungen in Zeiten des Wandels. Zum Wesen und Wirken der Augenoptik. Die ist heute vielschichtig, heterogen unterwegs, in ihrem Selbstbild oszillierend, oft polarisierend zwischen Handwerk (Optik) und Wissenschaft (Optometrie), respektive Tradition und Zukunft. Antworten zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, Berufspolitik, Ausbildungssituation, Personalentwicklung, zur Qualitätssicherung des Berufsstandes, zu ihrem Wertefundament, der Kultur handwerklicher Kompetenz, dem Potenzial optometrischer Dienstleistungen, der Marktnähe in Bezug auf die Bedürfnisse der Brillen- und Kontaktlinsenkunden.

Von der Flut der Gedanken und Reflexionen wurden wir, ehrlich, ein wenig überrascht (alle Antworten zusammengenommen überschritten die 60.000 Zeichen, das entspräche in unserem Redaktionsraster rund 12 reinen Textseiten). Wir danken allen, die sich Zeit genommen und geantwortet haben. Ausschnitte ihrer Beiträge bringen wir in der Ausgabe 4-2018 von OPTIC+VISION. Die kompletten Einzelinterviews haben wir für Sie zum Nachlesen online gestellt.

Von Angela Mrositzki und Sandy Hedig

Interviews mit Persönlichkeiten aus der Branche

Interview mit ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod

Interview mit dem SPECTARIS-Vorsitzenden Josef May

Interview mit Augenoptiker Rainer Brenner

Interview mit Augenoptikerin Elisabeth Gandl-Schiller 

Interview mit Augenoptiker Benjamin Walther

Interview mit Mister Spex-Geschäftsführer Dirk Graber

Interview mit Martin+Martin-Geschäftsführer Martin Lehmann

Interview mit DACH-Geschäftsführer von Rodenstock Detlef Göttlich

Interview mit DACH Sales Director von Maui Jim Marco Tutay

Category: Branche + Ideen, OV

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