Im Gespräch

Ehme de Riese: „Ich gehe meinen Weg!”

// 20. März 2014 More
Leidenschaft für seinen Beruf: Optiker Ehme de Riese glaubt an seine Vision

Leidenschaft für seinen Beruf:
Optiker Ehme de Riese glaubt an seine Vision

Wer in Wolfsburg und Umgebung in Sachen Brille das Besondere will, kennt Ehme de Riese. Sein Outfit wandelt sich mit der Tagesstimmung. Die ist aus Überzeugung positiv und geprägt von der Leidenschaft für seinen Beruf. Anders als die Gleichen, lautet sein Konzept. Eine Melange aus Fachkompetenz, Wohlfühlatmosphäre und besonderem Service. Damit zufriedene Kunden ihn weiterempfehlen. 

Name und Adresse sind ein Statement: Ehme de Riese, der Optiker. Wolfsburg, Porschestraße 9/11. An diesem trüben Januartag trägt de Riese (Jahrgang 52) einen Hauch von Frühlingsahnung: Seinen Maßanzug zieren rosarote Fantasieblüten auf schwarzem Grund. Und um mich herum strahlen alle, die Mitarbeiter, die Kunden sind gut drauf. Was geht hier ab? „Manche Optiker arbeiten in diesem Alter schon nicht mehr”, lächelt der gebürtiger Wolfsburger mit ostfriesischem Namen, der nach dem Abitur zunächst Lehrer werden wollte. Doch die Chancen für Lehrer stehen schlecht, er schmeißt das Studium, zieht nach Münster, macht bei Fielmann eine Lehre, später die Meisterprüfung.

Alles geht geradlinig und schnell. Was er macht, das macht er volle Pulle. „Günther Fielmann ärgerte sich damals über die Stigmatisierung des Brillenträgers durch die hässlichen Kassenbrillen. Das bekam ich direkt mit, denn ich stand neben ihm und habe staubgesaugt!” Doch er saugte nicht nur Staub beim Lehrmeister! Er saugte vieles auf und verinnerlichte es für sich, entwickelte sein ureigenes Credo. In dessen Fokus steht heute nur einer: der Kunde. „Was ich in meinem schönen Beruf schaffen kann, ist, dass meine Kunden stolz sind, bei mir eine Brille gekauft zu haben. Und zwar die, die sie unvergleichlich macht.”

Stolz

Er erzählt seine Geschichte. Wie er 1982 mit einem Partner „Optik aktuell” mit neun Geschäften im Raum Stuttgart gründete: Sein Start in die Selbstständigkeit sei quasi ein Harakiri-Akt gewesen, sieht er es rückblickend. Später gibt er Stuttgart auf, kehrt zurück in den Norden, übernimmt in Wolfsburg ein sterbendes Optikgeschäft. Das Umfeld sei damals ziemlich öde gewesen, heute habe sich das Zentrum positiv verändert, habe die Stadt eine galoppierende Entwicklung erlebt.

Auch seine qualitativen Ansprüche stiegen. „Ich wollte mich nicht mit Mittelmaß zufrieden geben.” Wolfsburger zu sein, macht ihn stolz. Das spürten die Menschen. Das spürten seine Kunden. Vielleicht fänden ihn manche wegen seiner bunten Outfits – jeder seiner Anzüge ist übrigens ein Einzelstück! – ein wenig „gaga”, lacht Ehme de Riese. „Aber das ist doch wunderbar!” Wer meint, er befände sich auf einem Egotrip, dem hält er sein Konzept entgegen. Er müsse so sein, wie er ist, müsse authentisch sein, sonst hätte er auf Dauer keine Chance, weiß de Riese. Tatsächlich ist er, so wie er ist, nicht zu kopieren. Das ist sein Wettbewerbsvorteil. Er holt eine Tafel hervor, auf der steht: „Alle sagten: Das geht nicht! Da kam einer, der wusste das nicht und hat‘s gemacht.” Eine Mitarbeiterin hat sie ihm gewidmet.

De Riese schwört auf sein Team - und das Team auf seinen Chef

De Riese schwört auf sein Team –
und das Team auf seinen Chef

Beim Neuanfang vor elfeinhalb Jahren war er allein. Heute sieht er in seinem Team aus 25 Mitarbeitern, darunter 12 Augenoptikmeister, seine größte Ressource. „Alle meine Mitarbeiter haben dieses sich Kümmern um den Kunden verinnerlicht. Bei uns ist das normal. Hier wird der Kunde nicht von einem, nein, er wird von allen Mitarbeitern umsorgt! Bei uns erwartet die Brille ihn! Sie wird hochwertig präsentiert, ja geradezu inszeniert – und das rechtzeitig zum Termin.” Jeder Kunde wird freundlichst empfangen und kompetent beraten. Egal, ob das der Chef selbst oder einer seiner Mitarbeiter übernimmt. Anders als die Gleichen, lautet sein Leitmotto. Das ist weniger ein Werbeslogan, mehr ein Bekenntnis. Es ist sein Geschäftkonzept. Manchem mag das übertrieben erscheinen. Das störe ihn nicht, denkt er doch über ganz andere Dinge nach, beispielsweise über innere Werte.

„Der wichtigste Wert für mich ist Wahrhaftigkeit. Ich meine das nicht klerikal. Dieser Anspruch beschäftigt mich vom Aufwachen bis zum Einschlafen!” Was er mit Wahrhaftigkeit meine, fasse ich nach. Der ehemalige Chef der Deutsche Bank, Alfred Herhausen, habe das einmal definiert: „Wahrhaftigkeit ist, sagen, was ich denke, tun was ich sage und sein was ich tue. Heißt für mich, wenn es zu uns gehört, dass wir jeden Kunden mit einem „Herzlich willkommen” und einem Händedruck begrüßen, dann müssen wir das auch tun. Alles muss dem entsprechen. Daraus habe ich unsere Leitphilosophie entwickelt: Jedes unserer Gespräche beginnt auf diese Weise und endet mit einem „Empfehlen Sie uns bitte weiter!”.

Innerlich lodert er für seinen Beruf. „Was mich antreibt sind nicht die tollen großen Dinge, sondern sind die vielen kleinen Schritte an einem Tag. Egal was ich tue, versuche ich immer meine Leidenschaft auch zu zeigen.” Seine Begeisterung verleiht ihm diese sympathische Aura und dem Geschäft die besondere Atmosphäre. Die Kundin am Nebentisch schaltet sich in unser Gespräch ein. Sie trägt eine eigenwillige Brillenkreation, ein Brillenglas ist rund, das andere quadratisch. „Selbst gemacht!” lacht de Riese. „Hier kauft man keine Brille, hier zelebriert man Brille!”, sagt die Kundin. Hier sei man wichtig. „Wir trauen uns ja nicht einmal, die Brille vom Tablett zu nehmen, sondern warten bis der Optiker sie uns überreicht. Ich kann mir überall eine Brille kaufen, hier aber wird einem das Gefühl gegeben, man sei etwas Besonderes.” Ehme de Riese erhebt sich, unterbricht unser Gespräch und verabschiedet die Kundin mit einem festen Händedruck.

Derzeit führt er in Wolfsburg zwei Geschäfte, nach der Porschestraße – mit einer Ladenfläche von circa 100 Quadratmetern und Refraktionsräumen im Stockwerk darüber – eröffnete er ein weiteres Geschäft im Zentrum. Das dritte, sein Flaggschiff, ein Premium-Laden an der Stadtperipherie, steht kurz vor der Eröffnung. Denn: Wer Premium verkaufen will, muss auch Premium sein. Gemein sind allen drei Geschäften die Personifizierung der Marke über den Namen und die persönliche Handschrift in der Raumgestaltung. Die entwickelte er zusammen mit seinem österreichischen Freund, dem Designer Hannes Hochriesser: „Wichtig sind mir offene Räume, damit wir unsere Form der Kommunikation leben können.”

Kleine Schritte

Ungeachtet des Erfolges und seiner Designeranzüge ist de Riese, wie er sagt, ein Typ zum „anfassen”. „Ganz normal. Ich mache halt mein Ding, dahinter stehen Werte, von denen ich mich auch nicht abbringen lasse. Wer das nicht möchte, sollte einen Bogen um das Geschäft machen, damit unsere positiven Gedanken nicht gestört werden.” Kaum vorstellbar, dass er sich in seinem Antrieb bremsen lässt. Stadtgespräch sind immer wieder auch von ihm gesponserte Kulturevents. Ob es das Jazz-Konzert mit einem bekannten Saxophonisten aus New Orleans ist oder die Ehme de Riese Lesetage im Hallenbad. Mit seinem Freund und Haus- und Hofschneider, dem serbischen Designer Duschan De Sordjan inszenierte er 2007 im Wolfsburger Phaenon eine spektakuläre Schau aus Rilke-Poesien, Musik und Mode. „Ehme trifft Duschan! Die 120 Laienmodels, alles unsere Kunden übrigens, hatten wir vorher im Laden gecastet. Die älteste Dame war 75, das jüngste Kind drei Jahre alt”, zeigt er mir ein Fotoalbum.

Sein Traumziel ist es, dass die Geschäfte eines Tages die besten Adressen der Stadt sein werden. „Ob ich das schaffe, weiß ich nicht, aber ich bin auf dem Weg dahin. Und wenn ich eines Tages von Wolke siebzehn herunterschaue und die Kunden gehen bei uns im Laden ein und aus so wie bisher, lachend und zufrieden – dann werde ich etwas richtig gemacht haben.”

von: Angela Mrositzki

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Category: Inspirieren

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