Funk Eyewear hat Materialmixe für die SILMO im Gepäck

// 13. Juli 2018 More

Herr Funk trägt eine aufeinander abgestimmte Brillen-Fliege-Kombination. Für ein Projekt hat er sich mit Auerbach, einem Berliner Label für Herrenaccessoires zusammengeschlossen und zu deren Fliegen und Hosenträgern passende Stoffe in seine Brillenmodelle eingearbeitet.

Dieter Funk ist Brillenmacher aus Leidenschaft und steht für ein modernes Brillenhandwerk, das sich seiner Tradition bewusst ist. Deshalb fackelt er auch nicht lange, wenn er Brillen von Massenherstellern auf anderer Leute Köpfe sieht. Sie werden schlicht und ergreifend zerstört. Eigenhändig und ohne Gnade. Als Entschädigung gibt es dafür eine neue Brille aus dem Hause Funk. Kein so schlechter Deal.

Seine Kinsauer Manufaktur ist noch der Mittelpunkt des Labels, trotzdem hat Funk auch mit seinen Stores in Berlin und München genug zu tun. Ganz zu schweigen von anderen ambitionierten Projekten. Der bayerische Brillenmacher sprüht vor Tatendrang und Ideen für neue Projekte. Am liebsten würde er alles selbst machen, wenn ihn der Ehrgeiz packt.

Mit Funk Eyewear wird Dieter Funk diesen September wieder auf der SILMO, einer der größten Optikermessen Europas, vertreten sein. Um diesen Anlass zu feiern, trafen sich der Brillenmacher und die deutsche Vertretung von SILMO, Eva Passmann und Camille Peuvergne mit uns zu einem Gespräch im lauschigen Hinterhof von Funks Store in Berlin-Mitte.

Herr Funk, Sie waren die letzten zwei Jahre nicht auf der SILMO vertreten. Warum kehren Sie dieses Jahr wieder zurück?

Funk: In den letzten zwei Jahren ist einfach wahnsinnig viel passiert innerhalb des Unternehmens. Wir hatten ein sehr ambitioniertes Projekt für unseren Neubau in Kinsau, den wir schließlich auch letztes Jahr beziehen konnten. Den Entwurf des Hauses haben wir selber gemacht – das Interior Design, die Architektur und zusätzlich wollte ich unbedingt noch die Bauleitung machen. Letzteres werde ich aber nie wieder tun. Das waren die Gründe, weshalb wir uns ein bisschen von manch anderen Dingen zurückziehen mussten, leider auch von der SILMO. Wir stellen seit 26 Jahren dort aus und sie ist einfach eine der wichtigsten Messen. Wir kehren nun wieder voller Freude zurück.

 

Frau Passmann, freut es sie, dass Funk Eyewear wieder auf der SILMO in Paris vertreten ist?

Passmann: Ja, für die SILMO ist es sehr wichtig, dass Funk Eyewear wieder dabei ist und wir unsere Partnerschaft weiter ausbauen können. Dadurch regt man wieder neue Kontakte in Paris an. Wir freuen uns schon auf die neue Kollektion, die dort präsentiert wird.

Funk: Für uns ist das auch ein hervorragender Termin, weil die SILMO nochmal einen richtigen Schub bis Dezember in der Optik gibt – ich bezeichne sie als die zweite Hochsaison im Jahr. Für uns ist es wichtig, dass wir mit unseren Neuheiten den Optikern die Möglichkeit bieten, wiederum ihren Kunden neue Highlights zu präsentieren und nicht erst bis Februar warten zu müssen, nachdem die opti in München stattgefunden hat. In unserer Manufaktur glühen schon die Maschinen und wir sind ordentlich am Schuften, denn wir wollen was ganz Schickes auf der SILMO präsentieren.

Peuvergne: Die SILMO bietet ein vielseitiges Angebot. Unter anderem vergeben wir den SILMO D’Or, eine Auszeichnung in verschiedenen Kategorien, z. B. für Vision, Trend oder Design.

Passmann: Die SILMO ist vorrangig eine Fashion-Messe, aber durch SILMO Academy sind auch die Themen Gesundheit und Forschung immer vertreten. Mit SILMO next haben wir einen neuen Bereich, in dem Zukunftstrends vorgestellt werden, das geht dann z. B. in Richtung Augmented Reality. Hersteller wie Samsung und Microsoft sind bei uns auch vertreten.

 

Können Sie schon einen kleinen Einblick in Ihre Kollektion geben, Herr Funk?

Ja, das werden viele Mischungen mit traditionellen Materialen werden. Unsere Manufaktur spezialisiert sich auf Celluloseacetat und Titan. Ich mische diese Materialien sehr gerne, weil sie sehr hochwertig und angenehm zu tragen sind.

 

Hände und das Schlagwort „Brillenmacher“ sind im Fokus Ihrer Werbekampagnen. Ist dieses „Handgemachte“ ein Kriterium, mit dem Sie sich gegen andere Hersteller absetzen wollen?

Funk: Es gibt verschiedene Wege, Brillen herzustellen. Auf dem Vormarsch ist gerade diese Drucktechnik; aber das ist für mich kein Handwerk. Deswegen möchte ich klarstellen: Wir machen traditionelles Brillenmacherhandwerk. In Deutschland sind wir damit eigentlich Neulinge. Vor 10 Jahren hat man mich noch für mein Vorhaben belächelt. Mit den wenigen anderen Brillenmachern tausche ich mich auch gerne aus, denn ich bin der Meinung: lieber miteinander als gegeneinander.

 

Sie bezeichnen sich als „Brillenmacher aus Leidenschaft“ – Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Brillen festgestellt?

Funk: In meiner Ausbildung zum Augenoptiker, die ich in einem sehr konservativen Betrieb gemacht habe. Ich hatte das Glück, dass wir damals noch Brillen machen MUSSTEN. Da habe ich schon gemerkt, wie viel Spaß mir das macht. Ich habe das, was mir gelehrt wurde, benutzt, um mir meine eigenen Brillen zu fertigen. Seitdem hatte ich den Traum von meiner eigenen Manufaktur.

 

Welchen Stellenwert hat „Tradition“ für Sie?

Funk: Tradition ist die Grundlage, ist die Basis um sich weiterzuentwickeln und in die Zukunft zu gehen. Stillstand bedeutet Rückschritt.

Passmann: Die SILMO gibt es ja auch schon ein halbes Jahrhundert. Diese Tradition ist für die Messe auch wichtig. Bei uns wird es großgeschrieben, auf neue Entwicklungen zu reagieren. Der Blick in die Zukunft mit dem Verständnis für die Tradition und Geschichte, die dahinter stecken sind bei der SILMO charakteristisch.

Peuvergne: Die SILMO ist ein Treffpunkt für Aussteller die die Tradition weiterführen, aber auch Gespür für die Moderne haben. Das Tolle ist, dass die Messe eine Mischung aus Design, Gesundheit, Technik, Performance, Vorausschau, Inspiration, Business und Geselligkeit ist.

 

Funk: Die SILMO hat ja in 1967 in Oyonnax angefangen; das war damals Europas Herzstück der Brillenherstellung. Die SILMO entstand ja aus einer Bewegung der Brillenmacher – das ist eine Geschichte, bei der man fast Gänsehaut bekommt.

Peuvergne: Und heute sind wir international: Die SILMO findet in Sidney, Bangkok, Istanbul und natürlich Paris statt.

Funk: Schauen Sie sich die Präsidentinnen und Präsidenten der SILMO an, z. B. Robert Lamy oder Philippe Lafont … das sind ja Dynastien von Brillenherstellern! Sie wurden aus der Tradition geboren. Gerade sind wir an einem Punkt, an dem die Tradition und das Handwerk wieder geschätzt werden, aber in Europa gibt es leider nicht mehr viele, die das überhaupt können. Es ist unvorstellbar, wie viele Anfragen ich von Marken bekomme, für die ich herstellen soll. Aber wir sind mit unseren eigenen Sachen schon an der Kapazitätsgrenze. Genauso geht es den anderen Brillenherstellern, die es noch gibt.

 

Wie sieht es denn mit dem Nachwuchs aus?

Funk: Die junge Generation hat ganz viel Lust, etwas zu wagen. In Deutschland wurde vor 30 Jahren der Beruf des Brillenmachers abgeschafft, weil es keine Firmen mehr gab, die ausbilden konnten. Das war ein sehr ehrenwerter Beruf, der sich sehr von dem des heutigen Augenoptikers unterscheidet. Einem Optiker, der frisch von der Schule kommt, würde in meiner Manufaktur erst einmal die Kinnlade herunterfallen, weil er wenig davon kennt. Wir bei Funk Eyewear bieten seit diesem Jahre einen Ausbildungsplatz zum Augenoptiker an, der  wahlweise um ein Jahr verlängert werden kann, um das Brillenmacherhandwerk zusätzlich zu erlernen.

 

Mit welchen (vielleicht idealistischen) Erwartungen sind Sie in die Branche eingestiegen?

Funk: Mit 21 war ich bereits selbstständig. Was will man in dem Alter? Die Weltherrschaft natürlich (lacht)! Ich wollte schon etwas machen, das bleibt. Damals hat auch ein Umbruch stattgefunden. Es war die Zeit, in der Firmen auf den Markt kamen, die jetzt fast schon Legenden sind – Oliver Peoples, Mikli oder Theo. Da wollte ich damals natürlich auch mitmischen. Aber mein Weg ist schnell sehr eigenständig geworden.

 

Sie erweitern Ihren Funk Optik Store in Berlin Mitte – Was gibt es Neues?

Funk: Nach langer Zeit konnten wir endlich unseren Keller, der aus dem Jahr 1880 ist und unter Denkmalschutz steht, zum Laden dazukaufen und in  den „Funky Underground“ verwandeln, in dem wir nun Maßanfertigung betreiben, die sich jeder angucken kann. Eine maßgefertigte Brille dauert übrigens ca. 2,5 Monate.

 

Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, Ihre Brillen seien eine „Retrospektive der Brillengeschichte“. Gibt es bestimmte Modelle, die es Ihnen besonders angetan haben?

Mich haben keine bestimmten Modelle von Schauspielern oder Musikern inspiriert. Die Inspiration kommt von der Straße – da entstehen die Trends. Bis vor 10 Jahren habe ich noch international als DJ aufgelegt. Wo bis zu 1500 Leute zusammenkommen entsteht Mode. Das hat mich immer inspiriert.

 

Herr Funk, unter dem Instagram Hashtag #funkeyewear posieren Leute mit Ihren Brillen. Verfolgen Sie, was in Social Media über Ihr Unternehmen gepostet wird? Arbeiten Sie auch mit Influencern zusammen?

Funk: Klar verfolgt man das. Es gibt den Hashtag-Grabber, der benachrichtigt einen, wenn jemand einen bestimmten Hashtag verwendet. Mit Influencern im klassischen Sinn arbeiten wir nicht. Manche kaufen ja ihre Follower, das finde ich ganz schlimm, weil das unglaubwürdig ist. Für mich ist ein Influencer eher jemand, den ich auf der Straße sehe und dessen Style mir gefällt. Aber diese Instagram-Influencer-Sache ändert sich ja gerade auch ganz stark. Die jungen Leute merken, dass das unglaubwürdig ist.

 

Würden Sie auch Brille tragen, wenn Sie eigentlich keine bräuchten?

 Funk: Klar, auf jeden Fall! Man will ja seine Individualität darstellen. Da gehört die Brille ganz klar dazu. Wo guck ich denn als erstes bei einem Menschen hin? Ins Gesicht! Die Filmindustrie spielt auch damit. Eine Brille bedeutet immer eine Verwandlung, eine neue Geschichte. Man unterstreicht damit den Charakter, der gespielt werden soll. Es kommen Leute zu mir in den Laden, die oft Vorträge halten müssen, aber noch jung sind. Die wollen dann eine Brille, damit sie von anderen ernst genommen werden.

Passmann: Das ist wie eine Persönlichkeitsveränderung – mit einer Brille kann man ganz plötzlich in einer anderen Stimmung sein, professioneller wirken.

 

Sie haben sich für Ihre Werbekampagnen auch selbst ablichten lassen – warum?

Funk: In der aktuellen Kampagne „Brillenmacher aus Leidenschaft“ sind unsere Mitarbeiter im Vordergrund, die in der Manufaktur arbeiten – unter anderem auch ich. Damit wollen wir das Handwerk richtig darstellen, damit die Leute endlich mal kapieren, ‚hey, die machen das selber‘! Die Leute können in unserer Manufaktur in Kinsau vorbeikommen und sich selbst davon überzeugen, wie wir Brillen fertigen. Man  muss sich nur im Supermarkt umschauen – Labels wie „regional“ werden immer wichtiger für den Endverbraucher. Der Kunde will immer mehr Hintergrundinformationen, weil er sich mit gewissen Produkten identifizieren will. Wo haben Sie denn noch die Möglichkeit, eine Brillenmanufaktur zu besichtigen? Da werden wir in Deutschland wahrscheinlich die Einzigen sein. Bei uns sind alle herzlich willkommen. Der Endverbraucher bestimmt, ob das Label gut oder schlecht läuft. Wenn unsere Optikerkunden unsere Manufaktur besichtigen, schafft das Glaubwürdigkeit für unsere Marke. Die Optiker, die unsere Brillen vertreiben, können dadurch also ihre eigene Glaubwürdigkeit und die unserer Marke untermauern.

 

Mit welcher Werbung erreichen Sie den Käufer? An welche Zielgruppe wenden Sie sich mit Ihren Brillen?

Funk: Wir wollen alle erreichen! Man kann in jedem Alter cool sein. Kein Produkt sollte seine Zielgruppe eingrenzen. Klassische Werbung machen wir keine. Wir schalten keine Anzeigen oder Spots. Wir haben nur unsere Kampagnen, in die wir viel Arbeit und Gedanken stecken. Dadurch wollen wir den Transport ins Herz der Verbraucher erreichen.

Eine eigene Messe hat Dieter Funk dieses Jahr auch aus dem Boden gestampft: Die „House of Craft“ Verbrauchermesse, die den Fokus auf die Liebe zum lokalen Handwerk legt. Am 21. und 22. Juli kann man sich in Kinsau neben Funks Brillen auch einen der letzten Säckler für das Lederhosenhandwerk, Herrenmode made in Germany, einen Schuhmacher oder einen Schmuckhersteller, der aus alten Plastiktüten neue Kunst schafft, ansehen.

Category: Branche + Ideen

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