Zukunftstechnologie KI – wie Optiker davon profitieren können

// 15. Juli 2019 More
Aus dem Netz ins Geschäft: Das neue Drive-to-Store-Modell von Essilor und Brille24 soll Kunden aus dem Internet zum Fachoptiker führen – und nutzt dazu auch KI-basierte Apps (Bild: Mauritius)

Künstliche Intelligenz (KI) ist heute in aller Munde – und doch können sich viele Menschen nur wenig darunter vorstellen. Was Künstliche Intelligenz ist, was sie leisten kann und welche Entwicklungen in den kommenden Jahren auf die Augenoptikerbranche zukommen, erklärt hier KI-Experte Manuel Zapp von Brille24.

Einer aktuellen Allensbach-Studie zufolge prägen vor allem die Charaktere bekannter Science-Fiction-Filme und -Serien die Vorstellung der Deutschen von Künstlicher Intelligenz. Jeder Fünfte denkt demnach beim Thema KI an den Wartungsroboter R2D2 aus „Star Wars“. Für rund 17 Prozent verkörpert der Terminator aus den Blockbustern mit Arnold Schwarzenegger den Archetypus einer intelligenten Maschine.

Mit der Realität hat das nur wenig zu tun: „Von selbstständig handelnden Robotern sind wir aktuell noch sehr weit entfernt“, sagt Manuel Zapp. Der 27-Jährige leitet das Forschungsteam von Brille24 Research, das für die Entwicklung intelligenter Algorithmen zuständig ist. Sein Fokus ist derzeit voll und ganz auf das Drive-to-Store-Modell ausgerichtet, mit dem Essilor und Brille24 Partner-Augenoptiker künftig noch umfassender unterstützen und sie an der gesamten Wertschöpfungskette – auch online – beteiligen werden. Manuel Zapp beschäftigt im Kern daher die Frage, wie KI eingesetzt werden kann, um neue Kundenpotentiale zu erschließen und gleichzeitig die Partner-Augenoptiker vor Ort zu entlasten. 

Was ist Künstliche Intelligenz?

Laut Definition ist Künstliche Intelligenz ein Teilgebiet der Informatik, in dem Methoden entwickelt werden, die Computern das Lösen von Aufgaben ermöglichen, deren Bearbeitung von Menschen Intelligenz erfordert. Intelligenz umschreibt die Fähigkeit, abstrakt zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten. Neu sind dabei weder der Begriff noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. „Die Ursprünge der KI-Forschung reichen zurück bis in die 1950er Jahre“, so Zapp. „Wirklich neu sind vor allem Fortschritte im maschinellen Lernen und ganz speziell im Deep Learning. Die Entwicklung in diesem Teilbereich ermöglicht es uns heute, unstrukturierte Daten wie Bilder, Texte und gesprochene Worte zu interpretieren.“

Schachcomputer, Navigationssysteme, Stimmerkennung – all das galt in der Entwicklungsphase als Künstliche Intelligenz. Heute gehört es für viele Menschen zum Alltag. Oder wie der amerikanische Logiker und Informatiker John McCarthy, einer der Ur-Väter der KI-Forschung, feststellte: „Sobald es funktioniert, nennt es keiner mehr KI.“

Wie wird Künstliche Intelligenz heute eingesetzt?

„Beim Großteil der KI-basierten Anwendungen, die heute im Einsatz sind, geht es darum, Prozesse schneller und effizienter zu gestalten“, sagt Manuel Zapp. Praxisbeispiele hierfür sind das Bestandsmanagement und damit verbunden die Einkaufssteuerung. Im Marketing helfen intelligente Algorithmen etwa bei der Analyse von Kundendaten und einer dynamischen Preisgestaltung.

„Das Potential von Künstlicher Intelligenz ist in der Praxis vor allem dort sehr groß, wo riesige Datenmengen miteinander verknüpft werden müssen“, so der Experte. „KI spielt deshalb immer dann eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Abläufe nachhaltiger zu gestalten und dabei gleichzeitig noch größeren Erfolg zu zu erzielen.“

Die Möglichkeiten im Wachstumsbereich Deep Learning gehen noch einen Schritt darüber hinaus. „Wir sind mittlerweile in der Lage, beliebige Fotos von Menschen zu verarbeiten und festzustellen, ob sie eine Brille tragen und – wenn ja – um was für ein Modell es sich handelt“, so Zapp. Möglich ist dies, da die KI das Produkt Brille verstanden hat. Sie kann Informationen wie Form, Farbe und Material bestimmen und diese Daten mit anderen verknüpfen.

Was bedeutet das für den Augenoptiker?

Diese Fähigkeit eröffnet zahlreiche Anwendungsgebiete. Eingebunden in das Drive-to-Store-Modell können mit dem Einsatz von KI u.a. persönliche Sehbedürfnisse identifiziert werden, noch bevor der Kunde das Ladengeschäft betritt. So können die teilnehmenden Partner-Augenoptiker mit personalisierten Services Endkunden direkter ansprechen. Vor Ort bedeutet das eine deutliche Entlastung, denn der Augenoptiker kann Beratungsgespräche noch gezielter führen.

Unter anderem hat Brille24 eine App entwickelt, mit der Kunden eine Brille in einem Modemagazin oder vom TV-Bildschirm abfotografieren können und anschließend Modelle angeboten bekommen, die der fotografierten Fassung in Form, Farbe und Stil am ähnlichsten sind – direkt versehen mit Angaben zu Produktmerkmalen und beispielsweise zur Verfügbarkeit beim nächstgelegenen Partner-Augenoptiker oder im Online-Shop. „Derzeit arbeiten wir an der Integration dieser App-Funktionalitäten in das Drive-to-Store-Modell“, erklärt Zapp. „Die App fungiert auf diese Weise als smarter Türöffner für Endverbraucher und zugleich als Brücke aus dem Onlinebereich zum traditionellen Augenoptiker“, so Frank Walenda, Director Country Management Network.

Im beruflichen Alltag des Augenoptikers werden KI-basierte Anwendungen in Zukunft eine zunehmende Rolle spielen und können ihm kostbare Freiräume schaffen, um seine Kernkompetenzen weiter auszubauen. „Die persönliche Beratung und den Service vor Ort kann nur ein Augenoptiker leisten“, erklärt Walenda.

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